Fortbildungsmaterial

O

Einführung

Menschen mit geistiger Behinderung haben das Recht, Entscheidungen zu treffen.

Sie haben auch Anspruch auf je nach ihren Bedürfnissen in Art und Umfang unterschiedliche formelle und informelle Hilfe.

Alle Formen der Unterstützung müssen die Möglichkeiten, Wünsche und Präferenzen der Menschen mit geistiger Behinderung respektieren.

Viele Unterstützungsformen für behinderte Menschen, ihre Rechtsfähigkeit auszuüben, existieren bereits und werden zunehmend anerkannt: Rechtsberatung, Interessenvertretung, Kommunikationshilfen und natürlich gegenseitige Unterstützung.

Deshalb zielt das TOPSIDE-Projekt innovativ auf Fortbildungsmöglichkeiten für gegenseitige Unterstützung.

Über die TOPSIDE-Fortbildung

Das TOPSIDE-Curriculum zielt auf die Befähigung von Menschen mit geistiger Behinderung, ihre Peers fortzubilden und zu unterstützen. Es wurde als inklusives Curriculum entwickelt, damit jeder an der Fortbildung teilnehmen kann. Seiner Entwicklung liegt die Idee zugrunde, dass gegenseitige Unterstützung eine ganz natürliche Interaktion zwischen Menschen ist. Wir alle geben und empfangen informelle Unterstützung, und zwar in allen Lebensbereichen und in allen möglichen Beziehungen.

Ziel war die Schaffung eines flexiblen Instruments, dast die Lehrpersonenr so einsetzen können, dass die Materialien bestens zu den Anforderungen und Zielen der Fortbildungsteilnehmer passen und dabei die ganz unterschiedlichen Möglichkeiten und Rhythmen von Menschen mit geistiger Behinderung berücksichtigt werden können.

Zu den Fähigkeiten, die die Peer-Unterstützer erlernen, gehört, wie man die Kommunikation verbessert, wie man jemanden angemessen unterstützt und wie man sich in andere einfühlt.

Der Peer-Unterstützer lernt, wie er seine eigene Lebenserfahrung in die Peer-Unterstützung einbringt, durch die Verwendung eigener Beispiele und des eigenen Lernprozesses, um anderen zu helfen.

Die Fortbildung befasst sich auch mit verschiedenen Werten, die der Peer-Unterstützer übernehmen kann: Inklusion, personzentriertes Denken, wertgeschätzte soziale Rollen und Engagement in der eigenen Gemeinde.

Dadurch sollen Menschen mit geistiger Behinderung, indem sie zu Peer-Unterstützern werden, auf die Übernahme der folgenden Einstellungen, Kompetenzen und Fähigkeiten vorbereitet werden:

  • Fähigkeit zur Entwicklung von Beziehungen
  • Respekt für die Person und ihre/seine Umgebung
  • Offene Einstellung; niemanden bewerten
  • Entscheidungen respektieren
  • Manipulationen vermeiden
  • Den Status des Peer-Unterstützers kennen: keine „Angeberei“, keinen Zwang ausüben
  • Sich als „Gast“ im Leben der Person mit Behinderung verhalten
  • Fähigkeit, unterschiedliche Erfahrungen zu verknüpfen
  • Vertrauenswürdigkeit (Vertrauliches und Privates achten …)
  • Inklusive Einstellung

Menschen mit geistiger Behinderung lernen in einer realen Lebenswelt und sollen als handelnde Peer-Unterstützer ihre Rolle verstehen. Deshalb muss vor dem Fortbildungskurs ein klarer Plan entwickelt und den Peer-Unterstützern vermittelt werden. Das ist eine Grundvoraussetzung für die Arbeit mit diesem Curriculum.

Um das Lernmaterial möglichst effektiv zu nutzen, lernen Sie, wie man mit einem Co-Trainer mit geistiger Behinderung arbeitet. Er oder sie wird als Partner des Lehrenden eine Schlüsselrolle bei Entwicklung und Anpassung der Fortbildung spielen und wird die Bedeutung dieser Rolle der Gruppe vermitteln, mit der gearbeitet wird.

Die Entwicklung des Curriculums

Der Entwicklungsprozess des Curriculums war ein wichtiger Teil des Projekts. Es wurde über einen Zeitraum von sechs Monaten für über 40 Stunden in jedem der sechs Projektländer getestet: Tschechische Republik, Finnland, Niederlande, Rumänien, Schottland und Spanien.

Ein europäisches Team von Trainern und Co-Trainern mit geistiger Behinderung arbeitete für zwei Jahre zusammen, um das Curriculum zu entwickeln und die Projektaktivitäten umzusetzen.

Die in der Partnerschaft vertretenen Länder umfassen unterschiedliche Regionen in Europa mit unterschiedlicher Geschichte und bieten sehr verschiedene Arten von Unterstützung für Menschen mit geistiger Behinderung. Der Peer-Begleitprozess innerhalb der Partnerschaft war sehr stimulierend.

Ein Hauptdokument, die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, leitete die Arbeit aller Partner an.

Auf methodischer Ebene klärten die Partner zunächst die Rolle der Peer-Unterstützer und legten Grenzen fest. Sobald das „Profil“ des Peer-Unterstützers definiert war, tauschten die Partner konkrete Arbeitsmethoden aus sowie Übungen, mit denen die neuen Peer-Unterstützer lernten. Eine Reihe von Treffen ermöglichte es, dass sie ebenso beispielhafte Praxiserfahrungen und Lösungen bei der Arbeit mit behinderten Menschen als Trainer teilten. Und schließlich fertigten alle Berichte über ihre landesweiten Entwicklungen und Lernerfahrungen an. Dieses gesamte Material bildet zusammen die TOPSIDE-Fortbildung.

Das Qualitätsteam aus verschiedenen unabhängigen Experten unterstützte diesen Prozess durch Fragen und Reflexionen zur Arbeit. Ihre kritischen Ansichten waren bei der Verfolgung unserer Ziele und der Analyse der Schwächen sehr hilfreich.

Die Rolle der Peer-Unterstützer

Der Peer-Unterstützer lernt, wie man alle einbezieht, die Kommunikation verbessert, jemanden gut und sinnvoll unterstützt und wie man sich in jemanden einfühlt. Der Peer-Unterstützer lernt, wie er anderen helfen kann, indem er seine eigene Lebenserfahrung und seine eigenen Lernprozesse in die Peer-Unterstützung einbringt. Die Fortbildung berücksichtigt auch die verschiedenen Werte, die der Peer-Unterstützer übernehmen kann: Inklusion, personzentriertes Denken, Lebensqualität, wertgeschätzte Rollen und Engagement in der eigenen Gemeinschaft.

Die Peers können Menschen unterstützen, die solche Möglichkeiten für sich selbst nicht erkennen. Peers können Augen öffnen dafür, was möglich ist und in das Leben der Peers neue Chancen einbringen.

Ein fähigkeitsbasiertes Curriculum

Die Fortbildung sollte so gestaltet werden, dass alle genannten Fähigkeiten im Curriculum in realen Lebenssituationen verankert und geübt werden. Die Fähigkeiten werden schrittweise erworben und in jedem Themenbereich verstärkt, wie in den Richtlinien beschrieben.

Die Fähigkeiten können in drei Kategorien eingeteilt werden:

  1. 1.Peer-zu-Peer-Fähigkeiten: Hier geht es um Kommunikation, Reaktion und Empathie im individuellen oder Gruppenaustausch.
  2. 2.Inklusive Werte und Fähigkeiten: Hier geht es um Inklusion, personzentriertes Denken, wertgeschätzte soziale Rollen sowie darum, dass man Bürger der Gemeinschaft ist.
  3. 3.Pragmatische Fähigkeiten: Dabei geht es um die Verknüpfung von Erfahrungen aus verschiedenen Lebensbereichen und von Lebensqualität mit Inklusion: Alltag und zu Hause, Rechte, Arbeit usw. Die Ergänzung der eigenen Fähigkeiten mit diesem Wissen versetzt die Peer-Unterstützer in die Lage, andere zu unterstützen.

Die folgende Grafik zeigt die drei Fähigkeitskategorien:

de_bubbles